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VERSTÄRKUNG

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Der Mensch ist einfach gestrickt, wie einfach ist manchmal erschreckend.

Die Pflanze wächst nach oben zum Licht, weil sie dort mehr Zucker produzieren kann, was für sie eine gute Entwicklung darstellt und deshalb bevorzugt wird. Kommt das Licht plötzlich von der Seite, wachsen Pflanzen seitlich. Die Belohnung durch Energie verstärkt ab nun jedes Wachstum zur Seite. Mehr Verstärkung bedeutet mehr Wachstum in eine völlig unnatürliche Richtung.

Bekommt der Hund Futter, wenn er Männchen macht, macht er es immer häufiger. Wir nennen das in der Verhaltensforschung Verstärkung. Koppelt man das Futter jedesmal mit einer Glocke oder den Worten "Braver Hund", kann man das Futter bald weglassen. Als Verstärkung genügt die Glocke oder die Worte.

Beim Menschen funktioniert das nicht anders. Eltern reagieren positiv oder negativ und Kinder können beides gut unterscheiden.

Positiv ist zum Beispiel ein Stück Kuchen oder Gummibärchen, ein Lob, eine Umarmung oder ein Lächeln. Aber auch keine Reaktion ist Verstärkung, denn machen die Eltern nichts, akzeptieren sie das Verhalten des Kindes. Das erleben die Kinder meistens, wenn sie mit ihren Erwachsenen zusammen sind. Ausgesprochenes Lob oder Verstärkung in Form von Zuwendung oder Sachleistung gibt es nur jedes 10. oder 100. Mal. Intermittierende Verstärkung nennt das die Psychologie und sie ist viel effektiver, als jedesmal zu verstärken. Vor allem ist sie aber löschungsresistent. So antrainiertes Verhalten bleibt lange und lässt sich kaum mehr ändern.

Negativ sind körperliche Abwendung, Drohungen, Ankündigungen von Strafen oder Strafen aller Art. Für einige Kinder ist es eine negative Verstärkung, gehen zu müssen. Damit muss man jedoch aufpassen, denn will das Kind ohnehin schon nach Hause, wäre es eine positive Verstärkung. Auch ein Kind anzuschreien kann positiv für das Kind sein, wenn es wenige positive Interaktionen gibt, ist Angeschrienwerden noch immer besser, als ignoriert zu werden. Vorsicht also mit negativer Verstärkung, sie ist mitunter keine und die Arbeit mit positiven Verstärkern sollte ohnehin im Mittelpunkt stehen.

Positive Verstärkung vermehrt also Verhalten, negative Verstärkung macht Verhalten seltener. Keine Verstärkung kann gelegentlich auch Verhalten seltener machen, meist interpretieren Kinder das Schweigen der Eltern aber als stille Zustimmung.

Legt das Kind die Füße auf den Esstisch oder steht mitten während der Mahlzeit auf, braucht es negative Verstärkung. Nur wenn dem Kind diese unangenehm oder zumindest mühsam ist, wird das Verhalten weniger.

Macht das Kind etwas, von dem man mehr sehen möchte, spielen Geschwister zum Beispiel friedlich miteinander oder macht das Kind Ordnung in seinem Zimmer, braucht es positive Verstärkung. Man muss dafür nicht gleich einen Oskar verleihen, aber ein Lächeln, ein Küsschen oder eine kleine verbale Verstärkung bezogen auf die Tätigkeit sind nicht verkehrt.

Kindern ist bei vielen Verhaltensweisen erschreckend unklar, ob ihre Eltern sie gutheißen. Junge Menschen reflektieren noch nicht, sie orientieren sich nicht so sehr am Außen. Gerade impulsive Kinder handeln, noch bevor gecheckt wird, ob das Verhalten ins Umfeld passt.

Bekommen Kinder wenig Feedback dahingehend und lässt man sie jahrelang einfach machen, entwickeln sie sich zu Rüpeln und wissen selbst nichts davon. Je älter sie werden, desto mehr negative Verstärkung kommt von außen. Ein Baby, das auf den Tisch schlägt oder klettert stößt auf weniger Kritik als ein Sechsjähriger.

Bei erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen ist es noch relativ einfach. Für Eltern ist es zwar anstrengend, endlich einzugreifen, weil das mit zunehmendem Alter kompliziert wird. Mit etwas Konsequenz ist es aber zu schaffen.

Eltern verstärken meist unbewusst aber auch ganz andere Verhaltensweisen, die sie eigentlich gar nicht verstärken wollen, wenn man sie darauf anspricht.

Schüchternheit wird zum Beispiel oft unabsichtlich durch Körperkontakt, Nähe, Kuscheln oder Trost verstärkt.

Auch Angst kann auf diese Weise zum massiven Problem hochtrainiert werden. Umarmt man sein Kind jedesmal, wenn es vor einer Spinne flüchtet, nimmt man es hoch, tröstet es, ist das Verstärkung in hohem Ausmaß. So trainiert man Angst.

Man kann durch Verstärkung auch trainieren, dass ein Kind sich immer wieder zum Opfer machen lässt, wenn die Reaktion ist, zu trösten, intensiven Kontakt herzustellen, dafür alles stehen und liegen zu lassen.

Selbstzweifel beim Lernen, Schreiben oder Rechnen verstärken viele Eltern unbewusst. Auf ein Zögern folgt kein Satz aus der Ferne: "Du schaffst das ganz bestimmt!" Stattdessen setzt sich der Eltern zum Kind, streichelt ihm über die Haare, beginnt eine lange Ansprache und entlässt das Kind am Ende vielleicht sogar noch aus der so schwierigen Aufgabe. Damit killt man Selbstbewusstsein.

Es gibt auch Eltern, die lachen oder zumindest schmunzeln oder schweigend zusehen, wenn das Kind im Restaurant seinen Teller mit dem Gesicht darin ausschleckt. Meist ist den Eltern nicht bewusst, was sie damit tun.

Ausbaden müssen es am Ende die Kinder, denn eines ist sicher, im Außenkontakt gibt es ab einem Alter von 5-6 Jahren und in den Folgejahren immer stärkere Grenzen. Dann gibt es von Fremden negative Verstärkung im Übermaß durch Zurückweisung, Kritik oder Ausgrenzung. Auch Schüchternheit wird nicht ewig akzeptiert. Irgendwann findet das Umfeld sie lächerlich.

Das ist meist der Zeitpunkt, zu dem es endlich zu Verhaltensänderungen kommt. Für Kinder ist das aber leidvoll. Vom eigenen Chef gesagt zu bekommen, dass das Verhalten nicht passt oder von der ersten Freundin, dass man seinen Körpergeruch nicht unter Kontrolle hat oder Angst im Übermaß zu haben und deshalb eingeschränkt zu sein...

Das alles baden die Kinder aus und oft geschah die Verstärkung in Unwissenheit.

Eltern sollten ihre Kinder in jungen Jahren behutsam begleiten und den Weg weisen und nicht Fremde, die sich gegen übergriffige Verhaltensweisen wehren müssen.

Das Tool der Verstärkung ist mächtig überall auf der Welt und in jedem Alter. Bewusst damit umzugehen, bringt so viel Erleichterung. Denn eines ist klar, alles und sogar nichts ist für Kinder positive oder negative Verstärkung. Deshalb sollte man sie zielgerichtet einsetzen, denn verhindern kann man sie ohnehin nicht.

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